Gehaltsforum

Thema: Entlohnung als Leiter Lager/Logistik bei einem Pharma-Grosshändler

 Frage: Sehr geehrter Herr Dr. Hoffmann,

mit Interesse verfolge ich seit längerer Zeit Ihre Ratschläge - nun ist es an der Zeit einmal selbst einen Fragenkomplex loszuschlagen. Doch zuvor eine Einleitung zu meiner Person: 34 Jahre alt, seit drei Jahren im Unternehmen, pharmazeutischer Grosshandel im Raum Hamburg, insgesamt 5 (fünf!) Mitarbeiter an drei Standorten. Dazu gehören in einer Art Familien/Firmenkonsortium drei Apotheken, ein Herstellungsbetrieb/Labor mit insgesamt ca. 150 Mitarbeitern. Die Grenzen von einer Gesellschaft zur anderen sind fliessend und kaum abzugrenzen - irgendwie macht "jeder" manchmal "alles". Seit gestern soll ich die Verantwortung für "LOGISTIK & LAGER" übernehmen - so hat der Chef entschieden. Diese Verantwortung schliesst neben dem eigentlichen Grosshandelsbereich auch den Versand einer Apotheke mit ein, die von meinem Arbeitsplatz auch räumlich getrennt ist. Weiterhin ist dazu zu sagen, dass ich einen Mitarbeiter führe derweil - den einzigen Lageristen am Standort hier, nebenbei aber gleichwohl so etwas wie die Funktion eines "Betriebstättenleiters" innehabe. Inoffiziell, versteht sich. Mein Chef, der der Geschäftsführer dieses Betriebes ist, ist alles andere als entscheidungsfreudig und beim Thema "Gehalt" und einem klaren Titel der Stellenbeschreibung meiner Position. Zur Zeit erhalte ich eine Vergütung von 3000€ brutto, 13. Monatsgehalt. Ich soll mein privates Mobiltelefon auch betrieblich nutzen (Abwesenheits-Weiterleitung auf mein Mobiltelefon) und bekomme dieses nicht vergütet. Ich wurde durch Neubau eines Lagergebäudes ausserhalb Hamburgs aufs Dorf "versetzt" - in Hamburg konnte ich mit der U/S-Bahn zur Arbeit fahren - hier draussen bekomme ich weder Dienstwagen noch Beteiligung an Sprit oder eigenem PKW - der Arbeitsweg hat sich verdoppelt. Wie Sie vielleicht nachfühlen können: es liegt einiges im Argen und ich persönlich fühle zu wenig Wertschätzung im Sinne einer angemessenen Vergütung. Meine Frage nach dieser hoffentlich ausführlichen Einleitung: ist das derzeitige Gehalt der Position, der Unternehmensgrösse, der Verantwortung bereits angemessen oder darf ich um Nachbesserung bitten? Wenn ja, welche Höhe halten Sie für angemessen? Will nochmals sagen: mir wird stetig weitere Verantwortung auferlegt, gleichzeitig wächst stetig die Erwartungshaltung mir gegenüber - einzig die Entlohnung steigt nicht mit den übertragenen Aufgaben, Was tun?! Über eine umfangreiche Aufarbeitung dieses Sachverhalts und eine Richtungsempfehlung Ihrerseits freue ich mich sehr und danke für Ihre Meinung! Gruss Herr R. aus HH
 von: Herr R. aus HH
   
 Antwort: Sehr geehrter Herr R.,

hier sieht es in der Tat nach etwas Nachholbedarf beim Thema Gehalt aus.

Der Fall scheint klar:
Im Laufe der Zeit schleicht sich sowohl mehr Arbeit als auch mehr Verantwortung für Personal und Budget nach und nach in das Aufgabengebiet.
Zudem ändern sich wichtige Randbedingungen (Beispiel hier: Einsatzort).

Bei größeren Unternehmen existieren hierfür oft Regeln wie dieses MEHR auch monetär zu bewerten ist. Es gibt zudem oft klar definierte Schritte, zugehörige Titel mit entsprechender Verantwortung in der Hierarchie und der Gehaltsausstattung.

Bei kleineren Unternehmen ist genau das oft nicht gegeben.
Diese "Gehaltskultur" von größeren Unternehmen existiert oft nicht und dann tritt der von Ihnen beschriebene Fall mit entsprechender Regelmäßigkeit ein.

Doch man kann hier aktiv mitsteuern:

Freuen Sie sich über die Entscheidung Ihres Chefs zur Beförderung, aber machen Sie im Gespräch (Impuls kommt von Ihnen) auch klar, dass mehr Leistung ein mehr an Entlohnung bedeutet.

Dabei sollten Sie das Plus an Verantwortung nicht zur Einstiegshürde machen, nach dem Motto: "Wenn ich morgen erweiterte Aufgaben bekomme, dann möchte ich morgen mehr Geld...."
Versuchen Sie im Gespräch eher die Logik auf Ihre Seite zu ziehen und Zeit für Erfolg zu schaffen.
Beispiel: "Wenn ich morgen erweiterte Aufgaben bekomme, dann würde ich mich freuen wenn wir uns in drei Monaten einmal über mein neues Gehalt unterhalten können."

Damit erreichen Sie zwei Dinge:

1 - Ihrem Chef wird der von Ihnen gewünschte Zusammenhang (mehr Verantwortung = mehr Gehalt) jetzt auf jeden Fall klar. Er muss aber nicht sofort in den für ihn "sauren Apfel beißen." Damit wird der Druck aus dem Gespräch genommen.

2 - Sie haben 3 Monate Zeit Ihren Erfolge zu gestalten und Ihrem Chef zu zeigen, dass seine Entscheidung richtig war. Legen Sie also mit 100% Power los.

Nach den 3 Monaten können Sie dann im Gespräch mit Ihrem Chef Ihre Erfolge im neuen Verantwortungsbereich aufzählen und glänzen. Sie haben Ihren Bereich auf "Vordermann" gebracht, Abläufe effizienter gestaltet, Bestände optimiert, neue Kunden gewonnen, etc.....

Damit erkennt Ihr Chef, dass Ihr mehr an Gehalt auch zum unternehmerischen Vorteil ist und somit ist der erste Grundstein für Ihre Gehaltserhöhung faktisch schon gelegt.

Mit Leistung und Erfolg im Rücken diskutiert es sich über eine Gehaltserhöhung immer noch am besten. Wenn Sie den Erfolg für das Unternehmen auch noch monetär bewerten können, Beispiel: "Die von mir verbesserten Abläufe haben zu einer Einsparung von 25.000,- Euro pro Jahr geführt...." IDEAL: Was kann den noch dagegen sprechen Ihnen hier einen kleinen Anteil in Form einer Gehaltserhöhung zukommen zu lassen ? Eigentlich nichts, oder ?

Die Höhe der Gehaltsanpassung hängt dabei auch von Ihrem Verhandlungsgeschick ab. Als groben Richtwert würde ich immer 5 - 10% ansetzen.

Um das lange Anwachsen eines Gehaltsdefizits wie in Ihrem Falle zu vermeiden, möchte ich Ihnen zudem für die Zukunft empfehlen regelmäßig (als gut hat sich hier ein Zeitraum von etwa 1 1/2 Jahren erwiesen) das Thema Gehaltsgespräch von sich aus bei Ihrem Chef auf die Tagesordnung zu bringen.

Viel Erfolg !

 von: Dr. Matthias Hoffmann