Gehaltsforum

Thema: Einfluss der Jobsuche auf das Einstiegsgehalt?

 Frage: Hallo Herr Dr. Hoffmann, ein sehr interessantes Forum mit sehr guten Fragen und Antworten. Ich bin 24 Jahre alt und habe an einer Fachhochschule BWL studiert. Mein Studium mit den Schwerpunkten Logistik und Außenwirtschaft habe ich als Diplom-Kaufmann (FH) mit sehr gutem Erfolg abgeschlossen. Im Hauptstudium war ich insgesamt zwei Semester im Ausland und zudem habe ich ein 6 monatiges Praxissemester in der Distributionslogistik bei einem internationalen Industrieunternehmen absolviert. Der "goldene Abschluss" meines Studiums war die praxisorientierte Diplomarbeit mit logistischem Schwerpunkt im internationalen Einkauf bei einem Mittelständler. Daher war ich vor einiger Zeit stolz und habe positiv auf die dann folgende Jobsuche geblickt. Beruflich habe ich mich dann in der Logistikbranche, im Einkauf, im Export/Versandabteilungen und im Bereich Groß- und Außenhandel beworben. Seit 6 Monaten nach Studienende ohne Erfolg. Von meinem 36 Bewerbungen wurde ich 5 mal zu einem Gespräch eingeladen. Die Bewerbungen, die ich geschrieben habe sind alle in Ordnung. Zudem habe ich Bewerbungstrainings belegt. Zu meiner Situation hätten ich folgende Fragen: Was würden Sie mir raten, ein Praktikum zu absolvieren oder ein weiteres Studium an einer Uni anzuhängen? Soll ich mich weiter für Stellen bewerben, wenn ja wie lange? Hat die längere Jobsuche Einfluss auf das Einstiegsgehalt? Vielen Dank!!
 von: Peter S.
   
 Antwort: Hallo Herr S.
zunächst etwas zur "Aufmunterung": Mit Ihrer Situation sind Sie im Moment (leider) nicht allein. Uns erreichen in letzter Zeit häufiger Fragen mit ähnlichem Background. Das hilft nicht wirklich, aber es geht z.Z. einfach vielen Absolventen ähnlich.
Absolventen haben es im Moment nicht gerade einfach auf dem Personalmarkt, da die Unternehmen relativ wenig Positionen zu besetzen haben und gleichzeitig aus einem großen Absolventenangebot wählen können. 2009 ist der Logistikmarkt im Mittel um etwa 10% geschrumpft. Der Markt erholt sich zwar langsam, ist aber noch immer unter Druck. Somit bleiben viele Absolventen ungewollt lange in der Warteschleife. Je länger diese Warteschleife dauert, desto mehr wird es, wie Sie richtig vermuten ein Abwärtsspirale.
D.h. Ihr Marktwert sinkt langsam aber stetig im Laufe der Zeit, da eine lange Wartezeit (x > 3 Monate) oft als negatives Manko interpretiert wird. Es wird bei längeren Wartezeiten schlichtweg angenommen, das bei Ihnen irgend ein "Haken" ist, und welcher Personalchef nimmt schon freiwillig die "2.te Garde"? Somit hat eine lange Wartezeit weniger Einfluß auf das Gehalt sondern faktisch auf Ihre Chancen den Job überhaupt zu bekommen.
Das klingt hart, ist aber leider oft die Praxis.

Daher mein erster Tipp:
Sie müssen auf jeden Fall aktiv sein bzw. sofort wieder werden. Zusatzstudium, Erweiterungs-Qualifikation oder Praktikum bringen neben zusätzlichem Know-how eben auch wieder die erforderliche "frische" für den Personalmarkt. Ein konkrete Empfehlung möchte ich hier nicht geben, da mir Ihre Karriereziele fehlen.

Mein zweiter Tipp:
Eine Einladungsquote von 36/5 ist kein Spitzenwert aber auch NICHT schlecht! Analysieren Sie daher sehr selbstkritisch warum Sie bei 5 Vorstellungsgesprächen nicht zum Zuge gekommen sind. Ggf. hilft es auch nach einer Absage telefonisch nach den Gründen zu fragen. Man vergibt sich damit NICHTS! Den Job haben Sie nicht bekomme, das bleibt ein Fakt, aber aus dem WARUM kann man für das nächste Mal oft sehr wichtige Erkenntnisse ziehen. Manchmal sind es nur "Kleinigkeiten" die im Vorstellungsgespräch negativ auffallen und für den unbeliebten zweiten Platz sorgen.

Viel Glück!
 von: Dr. Matthias Hoffmann